Nokia – Kampf an allen Fronten

Was ist los mit dem Welt umspannenden Elektronikkonzern?

27.06.2012

Ereignisse über Ereignisse und täglich neue Neben-Kriegsschauplätze. Es ist in der Tat so, dass Nokia schon bessere Zeiten erlebt hat und die Führung, die aus den weiten Wäldern der finnischen Provinz heraus agiert, momentan wirklich aufpassen muss, den Überblick über Krisengebiete und neue Brandherde nicht zu verlieren.

bei Nokia nur eine Nummer Inzwischen ist jedem Nokia-Beschäftigten bewusst, dass auch er nur noch eine Nummer mit Barcode ist.

Übermorgen ist der vierte Jahrestag der Werksschließung von Nokia in Bochum

Durch ganz Europa ging ein Aufschrei, als nach den Weihnachtsferien am 06.01.2008 eine kleine Presseerklärung aus dem finnischen Espoo die Nachrichtenticker in aller Welt erreichte. Trotz erbitterten Protesten aus allen Bevölkerungsgruppen und allen politischen Lagern, zog Nokia seinen Plan in Windeseile durch, entließ die Belegschaft (zum Teil mit sehr angemessenen Abfindungen und umfangreichen Weiterbildungsprogrammen, die jedoch leider nur sehr begrenzte Erfolge verzeichneten) und schloss das komplette Werk zum 30.08.2008.

Anfang und Ende von Nokia in Rumänien

Das in Jucu in der Region Siebenbürgen (Rumänien) schnell gebaute Ersatzwerk für Bochum hatte parallel zu den Ereignissen in  Deutschland, im Sommer 2008 die Produktion von Mobilfunkgeräten aufgenommen.

 

Der Staat Rumänien und die EU haben sich die aufwändige Ansiedlung von Nokia im rumänischen Norden etwa 30 Millionen Euro Subventionen kosten lassen. Nach Berichten in diversen Medien lief das Werk sehr gut organisiert und planmäßig, bis im Sommer 2011 das komplette Werk durch das rumänische Innenministerium wegen Steuer- bzw. Zollschulden beschlagnahmt wurde. Schon wenige Tage später wurde aus Finnland bekannt gegeben, dass auch das rumänische Billig-Produktions-Werk schon nach drei Jahren kurzum geschlossen werden soll.

Jucu, Rumänien

 

Niedergang und Verluste in fast allen Märkten Nokias

In der Zeit nach der  Werksschließung wurde es erst einmal ruhiger in der Struktur der Betriebsstätten. Trotzdem ist Nokia nach wie vor ein wichtiger Produzent von negativen Schlagzeilen in der Weltpresse. In den meisten Märkten, die Nokia zum Teil als Marktführer beherrschte, brachen erst die Umsatz-, dann  Ertragszahlen zusammen.

"Selbst auf vertrautem Terrain droht der strauchelnde Weltkonzern die Orientierung zu verlieren."

Zitat aus Die Welt vom 01.12.2011

 

Am heutigen Tag ist es noch möglich auf der deutschsprachigen Seite von Wikipedia zu lesen, dass Nokia der "weltgrößte Mobiltelefonhersteller" ist. Stellt sich die Frage, wie lange das noch dort steht, oder?

Strategische Partnerschaft: Microsoft

Es wird vermutet, dass sich Nokia mit der Entwicklung eines eigenen Betriebssystems für Smartphones verplant hat. Aus diesem Grund wich Nokia von seiner bisherigen Strategie, immer eigene Betriebssysteme für Mobiltelefone, ab und verkündete Anfang 2011 die neuen Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem "Windows Phone 7" auszurüsten. Trotzdem kämpft Nokia weiter mit fallenden Marktanteilen bei Smartphones.

Nokia-Mitabeiter verlassen ihren Arbeitsplatz aus Protest

Gestern Morgen haben 50 Arbeiter aus dem Nokia-Werk aus Salo in Finnland ihren Arbeitsplatz während der Schicht verlassen, um ihren Protest über die nachträglich gekürzten Abfindungen Ausdruck zu verleihen.

Neueste Meldung: Personalabbau auch bei Nokia in Ulm

Das aktuelle Projekt ist die Schließung des Mobilfunk-Werks in Ulm. Heute Vormittag demonstrierte die Belegschaft des Nokia-Werks in Ulm, die um ihre Arbeitsplätze bangen. Bei der Schließung des Ulmer Werks würden über 730 Beschäftigte ihre Arbeit verlieren. Fachliche Unterstützung auf höchster Ebene bekommen die Mitarbeiter von der IG Metall-Chefin Ulrike Kleinebrahm, die auch schon die Proteste in Bochum angeführt und für eine entsprechende Medienpräsenz gesorgt hatte.

 

Strategische Partnerschaft: Siemens

Im Jahr wurden die gesamten Netzwerksparten von Siemens und Nokia zum Jointverture "Nokia-Siemens-Networks" (NSN) zusammen gelegt. Dadurch entstand der drittgrößte Netzausrüster für Telekommunikation.

Doch auch diese Entwicklung stand bisher weder unter einem gesunden, noch guten Stern. In den Jahren 2009 und 2010 wurde an vielen NSN-Standorten ein erheblicher Personalabbau vollzogen, bei dem besonders die Werke in Düsseldorf, München und Bruchsal betroffen waren.

München

 

Bruchsal

Auch zum Jahresbeginn 2012 konnte NSN erneut mit großen Plänen zum Personalabbau überraschen. Die zuerst geplante Komplettschließung des Standortes München ist zwar erstmal vom Tisch, doch müssen mehrere tausend Beschäftigte von NSN mit einen weit entfernten Umzug ihres Arbeitsplatzes oder Kündigung rechnen.

 

Doch auch an Standorten in anderen Ländern ist die Lage sehr angespannt.

Rom, Italien

Was wird aus Nokia, NSN und allen anderen Sparten, Beteiligungen und Kooperationen?

Da drängen sich für den Betrachter doch einige Fragen auf: Was kommt als Nächstes?
Wird Nokia – von der Konzernleitung bis zum allerletzten Azubi – das Ruder herum reißen können?
Mit welchem Gefühl, in der Magen-Gegend, gehen die Beschäftigten morgens zur Arbeit?

Die Welt schaut zu. Wir fühlen mit!

 

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Foto: John Karakatsanis- Flickr

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