HP schließt Standort in Rüsselsheim

HP schließt nun doch Standort in Rüsselsheim – höhere Abfindung bei freiwilliger Unterschrift

 

Nun ist es endgültig – HP (Hewlett Packard) stellt den Betrieb in seinem Werk in Rüsselsheim zum 31. Januar 2014 ein. Dies ist zwar drei Monate später, als ursprünglich durch den amerikanischen Computerkonzern angestrebt, aber mehr konnten die Arbeitnehmervertreter in ihren zähen Verhandlungen leider nicht erreichen, so Volker Stichter – Betriebsratsvorsitzender. Weiter äußerte sich Stichter dahin, dass die Vertreter der Arbeitnehmer über dieses Endergebnis nicht erfreut sind, ihnen aber keine Mittel zur Verfügung stehen, die Geschäftsleitung von HP an diesem Schritt zu hindern.

Für die Gespräche zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat war extra, Einigungsstelle geschaffen worden. Deren Vorsitz hatte David Hagen, Arbeitsrichter am Duisburger Gericht, inne. Geschaffen worden war die Einigungsstelle aufgrund einer fehlenden Bereitschaft für einen Kompromiss zwischen den beiden Parteien. Schlussendlich musste sowohl der Betriebsrat, wie auch die Unternehmensführung den Spruch der Einigungsstelle akzeptieren. Dieser umfasst Abfindungen für alle Mitarbeiter, welche sich nach dem Gehalt, der Länge des Angestelltenverhältnisses und dem Alter richten. 

 

Eine konkrete Gesamtsumme für die Abfindungen ist bislang nicht bekannt und wurde auch dem Betriebsrat nicht bekannt gegeben. Die Arbeitnehmervertreter versuchten dies durch eine Nachfrage bei der Unternehmensführung in Erfahrung zu bringen, allerdings wurden diese mit der banalen Aussage „dies gehe sie nichts an“ abgeschmettert. Bislang ist nur klar, so der Vorsitzende des Betriebsrates, dass Mitarbeiter, welche freiwillig eine Vereinbarung über eine Abfindung unterzeichnen, eine Summe erhalten, die um 15 Prozent höher liegt. Zusätzlich bietet sich diesen Mitarbeiter die Chance, einem Wechsel in eine Transfergesellschaft zuzustimmen. Betroffen von diesen Vorgängen sind laut Betriebsratsvorsitzendem schätzungsweise 500 – 600 Angestellte – alle Mitarbeiter, die aktuell noch in Rüsselsheim beschäftigt sind.

 

Streichung von 29.000 HP-Arbeitsplätzen weltweit

Die Verlegung der Produktion in Länder mit Niedriglohn ist der Hintergrund des Programms, warum der Standort Rüsselsheim von HP geschlossen wird. Von den 330.000 Arbeitsplätzen weltweit will HP so 29.000 Stellen einsparen – davon betroffen sind eben auch die 500 – 600 verbliebenen Mitarbeiter in Rüsselsheim. Bis Februar dieses Jahres waren an dem Standort noch 1.100 Menschen beschäftigt. 

 

Bereits im März wechselten 200 zu Opel, für den HP bislang ausgelagerte Arbeiten an der Software des Autobauers übernahm. Weiter 200 ehemalige Beschäftigte unterschrieben bislang einen Aufhebungsvertrag und für 200 andere Mitarbeiter stehe eine Versetzung nach Bad Homburg an. Alle anderen Mitarbeiter seien vom Spruch der Einigungsstelle betroffen. Doch nicht nur die Mitarbeiter betrifft die Stellenreduzierung von HP, sondern auch die Kunden, so der Betriebsrat. Andere Standorte könnten nicht innerhalb von kurzer Zeit den Service übernehmen und qualifizierte Leistungen erbringen.

 

HP gibt als Grund für den Programmstart zur Verlegung der Produktion in Niedriglohn-Länder an, dass der Umsatz aufgrund der großen Konkurrenz im Bereich Hardware und Drucker sehr heftig sei. Es gab im zweiten Quartal 2013 Einbrüche von über 30 Prozent beim Gewinn des Unternehmens – dieser viel auf etwa 1,1 Milliarden Dollar. Der Umsatz hingegen ging nur um zehn Prozent zurück auf ungefähr 27,6 Milliarden Dollar. 

 

HP-Mitarbeiter Demo auf der CeBit 2013

 

Foto: IG Metall