Zuflussprinzip – Erklärungen und Besonderheiten

 

Zuflussprinzip im Deutschen Steuerrecht

Der Begriff "Zuflussprinzip" hat keinerlei nähere sprachliche Bedeutung und kommt im Grundsatz nur in der deutschen Steuergesetzgebung zum Tragen. Es findet Anwendung im Einkommensteuergesetz und in ähnlicher Form im Sozialgesetzbuch.

Abgrenzung Zuflussprinzip vs. Realisationsprinzip

Beim Realisationsprinzip geht der Gesetzgeber von dem Zeitpunkt aus, an dem ein als Recht oder Erzeugnis realisiert gilt, also in Bezug auf unser Thema Abfindung, der Moment in dem ein Aufhebungsvertrag, ein Arbeitsgerichtsurteil oder eine Kündigung rechtsgültig wird.

Davon kann der Zeitpunkt des Zuflusses, also z.B. dem konkreten Zahlungseingang der Abfindungszahlung auf dem Konto des Arbeitnehmers, abweichen.

Definierte Zeitpunkte bei der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses:

1. Realisationszeitpunkt: Abschluss eines Aufhebungsvertrags, Tarifvertrags, Ablauf der Einspruchsfrist bei einem Arbeitsgerichtsurteil, ordnungsgemäßer Zugang der schriftlichen Kündigung

2. evtl. Übergabe/Zustellung der entsprechenden Gehaltsabrechnung unter Einbeziehung der Abfindung

3. Zufluss: Buchungstag des Zahlungseingangs auf dem Girokonto des Arbeitnehmers

 

Zuflussprinzip in Bezug auf das Jahr

Laut Wikipedia ist die Einkommensteuer eine "periodisch entstehende Steuer" für die die Berechnungsgrundlage immer aufgrund des Kalenderjahrs zu erfassen ist. Dabei ist das Einkommen immer in dem Jahr zu versteuern, in dem es entstanden ist (Entstehungsprinzip).

 

Zuflussprinzip und Abfindung

Bedeutend für die Versteuerung einer Abfindung, gerade in Bezug auf die mögliche Steuererleichterung durch die Fünftelregelung und die Steuerprogression, ist die Tatsache, dass eine Abfindungen grundsätzlich nach dem Zuflussprinzip versteuert werden.

 

Beispiel: Zeitversetzte Versteuerung

Das Unternehmen vereinbart mit einem Mitarbeiter eine Vertragsaufhebung des Arbeitsverhältnisses zum 30.September 2012.

Es wurde vereinbart, dass der Beschäftigte ab dem 06.08.2012, unter Anrechnung seines Resturlaubs, von der Arbeit freigestellt wird und ihm zum 30.09.2012 eine Gehaltsabrechnung, ein Arbeitszeugnis und die Bezahlung des restlichen Arbeitsentgeltes zugestellt werden. Zusätzlich bekommt der Beschäftigte zum Monatsende Januar 2013 eine Gehaltsabrechnung mit der Vergütung seiner Leistungen im Januar 2013 von 0,- Euro plus dem Betrag der vereinbarten Abfindung.

Wenn der Zahlungsbetrag, der durch diese Abrechnung ermittelt wurde, im Jahr 2013 auf dem privaten Girokonto des ehemaligen Beschäftigten eingeht, ist die Abfindung nach dem Zuflussprinzip im Jahr 2013 zu versteuern.